In Asien

Die Thai lebten ursprünglich im Südwesten Chinas. Ab dem 9. Jahrhundert begannen sie in Gruppen in das Gebiet des heutigen Nordwest Thailands einzudringen. Die sich bis zum 13. Jahrhundert hinziehende Landnahme stellte keine kurze und gewaltsame Eroberung dar, sondern vollzog sich langsam. Einige Quellen meinen, dass in dieser Zeit Muay-Thai als Verteidigungsform entstand, weil ein besonderer Wunsch nach Absicherung bestand. Muay-Thai, auch Kick-Boxen genannt, ist der Nationalsport der Thailänder, und ist in den letzten Jahrzehnten auch in Europe immer populärer geworden. Wie die meisten anderen Kampfsportarten Asiens kann auch Muay-Thai auf eine Jahrhundert lange Tradition zurückblicken. Was es aber von der Vielzahl der Kampfsportarten unterscheidet, ist seine Effektivität und seine Vielfalt an Techniken. Faust-, Bein- und Ellbogentechniken sowie Knie- und Wurftechnik werden im Wettkampf mit vollem Kontakt ausgeführt. In der Vergangenheit wurde oft Vergleichskämpfe zwischen Muay-Thai und anderen Kampfsportarten durchgeführt. Ob chinesische Kung-Fu-Meister, japanische Karateka oder westliche Boxer, zumeist stiegen die Muay-Thai Kämpfer als Sieger aus dem Ring. Aufgrund seiner Effektivität wird Muay-Thai auch vom thailändischen Militär, den Navy-Seals (amerikanische Spezialeinheit), dem CIA und allen Institutionen, bei denen eine durchschlagende Angriffs- und Selbstverteidigungstechnik nötig ist, trainiert.

In Europa

Ende der 70er Jahre wurde man erstmals in Europa auf das Muay-Thai aufmerksam. Man hörte von harten Kämpfen in Thailand, welche mlt solch einer Brutalität ausgetragen wurden, daß Krankenhausaufenthalte der Kämpfer immer schon vorprogrammiert waren. Diverse Berichte von europäischen Journalisten, die an einer seriösen Recherche überhaupt nicht interessiert waren, sondern nur Sensationsberichte im Sinn hatten, sorgten natürlich nicht gerade für einen guten Ruf des Muay-Thai. Dennoch waren es Sportler aus Holland, Frankreich, England und Deutschland, welche die ersten Schritte unternahmen, um das Muay-Thai auch in ihren Ländern zu etablieren. Die Chakuriki Kämpfer hatten zur damaligen Zeit einen sehr guten Ruf im Kick-Boxen und waren sieggewohnt. Man vereinbarte einen Kampf in Bangkok zwischen 5 Chakuriki Champions und 5 Thailändern. Erstmals mußte Thom Harinck einsehen, daß seine Kämpfer völlig chancenlos waren. Sie gingen alle k.o. Von den Techniken und der Kampfkraft der Thais sichtlich beeindruckt, lernte Thom Harinck die Basistechniken des Muay-Thai. Zurück in Amsterdam legte er auch den Grundstein für das europäische Thai-Boxen. Der Muay-Thai Bond Nederland wurde gegründet, Kontakte zu Sportschulen in England, Frankreich und Deutschland wurden aufgebaut und es fanden die ersten Thai Box Galas in Amsterdam statt. Das Interesse für diese neue Kampfkunst war geweckt. Neue Länder kamen hinzu und man arbeitete sehr eng mit dem Rajadamnern Stadion in Bangkok zusammen. Anfang der 80er Jahre war es dann soweit. Die World Muay-Thai Association (W.M.T.A.) wurde in Amsterdam gegründet. Führende Funktionäre des thailändischen Lumpini und Rajadamnern Stadions kamen nach Amsterdam, sowie viele Vertreter europäischer Länder. Die W.M.T.A. war der erste internationale Muay-Thai Verband, welcher mit Zustimmung der Thais gegründet wurde Hierauf folgte die Gründung der European Muay-Thai Association (E.M.T.A.) ebenfalls in Amsterdam. In ganz Europa hatten die Vertreter der nationalen Thai-Box Verbände natürlich gegen den Widerstand anderer Kampfsportanten anzukämpfen, welche im Thai-Boxen eine Konkurrenz sahen. Aber auch die Behörden machten Probleme, da man nicht erlaubte, nach den originalen thailändischen Regeln in Europa zu kämpfen. Die E.M.T.A. vereinbarte daraufhin immer Kämpfe, bei welchen Ellbogen- und Knietechniken zum Kopf verboten waren. Selbst die thailändischen Kämpfer, welche in Europa antraten, hatten sich dieser Regelung zu beugen.Schnell verlor man in Thailand das Interesse an Wettkämpfen in Europa, weil die originalen Muay-Thai Regeln nicht eingehalten wurden. Enttäuschung gab es aber auch auf Seiten der Europäer, welche oft thailändische Kämpfer zu ihren Galas eingeladen batten, aber nie nach Thailand eingeladen wurden. Da Muay-Thai aus dem Profi- und Amateurbereich besteht, mußte natürlich auch etwas für die Profis getan werden. Jahrelang war eine Zusammenarbeit der Profis in Europa und Thailand nicht möglich, da man sich nicht auf einheitliche Regeln einigen konnte. 1998 war es dann aber soweit. Mit der Gründung der European Professional Muay-Thai Federation (E.P.M.T.F.) hatte man einen internationalen Verband in Europa gegründet,der die volle Unterstützung aus Thailand bekam. Sowohl vom World Muay-Thai Council in Bangkok, als auch von der International Professional Muay-Thai Federation wurde die E.P.M.T.F. als einziger europäischer Verband anerkannt. 33 Länder in Europa schlossen sich bisher diesem Verband an und man sieht eine Vielzahl von Profi Veranstaltungen, die auch von thailändischer Seite Anerkennung und Unterstützung finden.